Kapitel 3 – Die drei Wünsche

Eine halbe Stunde später flimmerte es. Er war wieder da.

Hatte einen ganz wichtigen Termin an der Dschinn-Akademie. Wenn ich den versaut hätte, das hätte mich Hunderte von Jahren gekostet.

Ja, natürlich, antwortete ich schmallippig.

Und dann ist mir auch noch mein Onkel begegnet. Das ist vielleicht 'ne Type, sage ich dir. Seine Flasche sieht aus, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Man erzählt sich, wie er einmal wieder in seiner Flasche festsaß, dass sie ganz von allein aufging, weil der Druck durch seinen Mief so groß geworden ist und es den Verschluss aufgesprengt hat. Und sein Turban sieht aus!

Liegt wohl in der Familie, dachte ich mir. Wann habe ich dich eigentlich aus deiner Flasche lassen? Es ist mir nicht bewusst, dass ich irgendetwas in der Art gemacht habe. Die große Kochweinflasche kann es ja wohl nicht gewesen sein. Diesmal lachte ich.

Wir jungen Dschinns sind in vielen Dingen sehr modern, viele von uns praktizieren das offene Wohnen, also keine verschlossenen Flaschen mehr. Zieht zwar manchmal etwas, aber insgesamt fühlt man sich freier.

Also habe ich dich gar nicht gerufen!

Doch, doch, du hast.

Das glaubst doch selber nicht.

Schweigen. Fast schon unwirklich, als ich nur die üblichen Küchengeräusche hörte.

Bin ja noch ein junger Dschinn 2. Ordnung, muss noch Erfahrung sammeln. Da helfen wir manchmal etwas nach, wenn wir zu lange nicht gefunden werden.

Und wie bist du ausgerechnet auf mich gekommen?

Bezaubernde Jeannie! Du schaust doch so gerne die Fernsehserie Bezaubernde Jeannie an.

Da war ich doch noch klein, Mann. Das ist Jahrzehnte her.

Der Dschinn bog sich wieder einmal vor Lachen.

Warum hast du dir dann erst vor ein paar Wochen die DVDs von der 1. bis zur 3. Staffel ausgeliehen? Nur um zu hören, wie sich das mit amerikanischem Originalton angehört hat, ich weiß. Drei Staffeln!

Man wird also nicht nur von der NSA und Google ausspioniert, sondern auch von der Dschinn-Welt. Ich weiß nicht was mir bedenklicher erscheint.

Das Gekichere nahm wieder bedrohliche Ausmaße an und wurde so schrill, dass es mir schon in den Ohren klingelte. Fast hatte ich Angst, dass man es doch hören könnte.

Halt, kam es mir langsam wieder, ich hatte doch eine Frage gehabt! Der Dschinn hatte mich geschickt abgelenkt, fast hätte ich sie vergessen.

Wie war das jetzt mit meinen 3 Wünschen?

Abrupte Stille. Ein leichtes Flimmern, aber der Dschinn blieb. Er wurde ganz rot im Gesicht, ich hatte den Eindruck er wurde noch kleiner.

Ummh, ähhh . . .

Habe ich jetzt 3 Wünsche frei, oder was?

Er schob sich seine Hand unter den Turban und kratzte sich am Kopf, blickte mich kurz an, dann auf seine Schuhspitzen.

Hmmmmmmm . . . Der Dschinn nuschelte ganz leise etwas, das ich nicht verstehen konnte.

Was hast du gesagt?

Theoretisch schon, sagte er diesmal ein wenig lauter. Er starrte immer noch auf seine Schuhspitzen, so hochgebogene, gekringelte mit einem Bommel dran. Ich hatte den Eindruck er wurde immer noch kleiner und unscharf an den Rändern.

Theoretisch schon? wiederholte ich fragend.

Theoretisch schon. Ich bin dein Dschinn und du mein Meister. Da steht dir die Erfüllung von 3 Wünschen nach der Dschinn-Verordnung zu.

Ah, ich bin sein Meister! Muss ich mir merken.

Und praktisch?

Praktisch ist es etwas komplizierter.

Hatte er mich etwa durschaut und ahnte meinen Wunsch voraus?

Du kennst meine Wünsche doch noch gar nicht, ging ich auf Angriffsmodus.

Das spielt keine Rolle.

Wieso spielt das keine Rolle?

Das mit dem Wünsche-Erfüllen klappt bei mir nicht immer so.

Was bedeutet nicht immer? bohrte ich nach.

Ich kann keine Wünsche erfüllen!

Warum kannst du keine Wünsche erfüllen? Du bist doch ein Dschinn und du hast selbst gerade gesagt nach der Dschinn-Verordnung . . .

Ich bin doch nur ein Dschinn 2. Ordnung

Und warum das?

Weil . . . ,weil . . . . , ich hatte fast den Eindruck mein kleiner frecher Dschinn würde gleich in Tränen ausbrechen.

. . . weil ich bei der Dschinn-Prüfung durchgefallen bin.

Jetzt war es raus.

Deshalb kann ich dir deine 3 Wünsche noch nicht erfüllen.

Noch nicht?

Ja, noch nicht. Ich verdinge mich jetzt einige Zeit als dein Küchendschinn, sammle eifrig Fleißpunkte, dann wiederhole ich die Prüfung. Da besteh' ich sie mit absoluter 100%iger unumstößlicher Sicherheit! Ist eh nur blöd gelaufen, das letzte Mal. Natürlich kann ich alles, aber der Prüfer-Dschinn hat mich einfach durchfallen lassen, hab' später gehört angeblich hätte ich seiner Tochter Jeannie, die in meiner Klasse war, schöne Augen gemacht, aber ich sei nicht gut genug für sie, weil ihrem Vater mein Turban nicht gefällt. Also du siehst, ich kann gar nichts dafür, ich bin nämlich eine super Dschinn. Deshalb wird das mit der Prüfung das nächste Mal ein Klacks. Und dann erfülle ich dir deine Wünsche, schneller als du sie dir wünschen kannst! Und weißt du was? Vergiss das mit den 3 Wünschen, ich erfüll' dir einfach alle deine Wünsche! Versprochen. Dschinn-Ehrenwort drauf!

Dschinn-Ehrenwort, denke ich nur, ob ich darauf etwas geben kann?

Der Dschinn schaut mich vorsichtig an, so von unten, obwohl er ja über mir sitzt, und versucht es mit einem zaghaften Grinsen, das aber schnell breiter wird.

Wann kannst du denn die Prüfung wiederholen?

Wenn alles gut läuft, und davon bin ich überzeugt, und ich keinen Mist baue - davon war jetzt ich nicht so überzeugt - so in 200 Jahren ungefähr.

200 Jahre? Äh, tja, hm, das könnte knapp werden mit meiner Lebenserwartung und so.

Der Dschinn zupfte an seinem Turban herum, schaute mich erwartungsvoll an, blieb aber erst einmal ruhig.

Ich würde den Dschinn also nicht so einfach loswerden, das war nun klar. Aber er will hier "Fleißpunkte sammeln" hatte er gesagt.

Was ist eigentlich deine Aufgabe als Küchendschinn?

Ooch, so genau ist das nicht definiert. Ich denke, ich werde dir mit Rat und Tat zur Seite stehen, aufpassen, dass nichts anbrennt, und all sowas. Für gute Stimmung sorgen, dich unterhalten, ist doch ziemlich trist so allein in der Küche, oder?

Mit Rat? Hast du denn eine Ahnung von Küche und Kochen?

Kochen nicht so, aber mixen kann ich super. Ich bin der ganzen Dschinn-Welt berühmt für den abgefahrensten Hammelfett-Cocktail überhaupt!

Sehr hilfreich, da werden die Gäste begeistert sein, dachte ich. Und Tat? Bisher bist du nur auf dem Regalbrett gesessen, war meine nächste Frage.

Rat und Tat, das sagt man halt so. Vom Regalbrett kann ich nicht runter - Küchendschinn-Regel!

Gut, dann kannst du mir immer die Weinflasche, neben der du sitzt, aufmachen, wenn ich sie brauche.

Klar, mache ich gerne.

Sarkasmus kommt wohl bei Dschinns nicht so an, war mein Gedanke. Oder machte er sich schon wieder lustig über  mich?

Dann werde ich dich wohl eine Weile am Hals haben, sagte ich zusammenfassend, mehr zu mir selber als zum Dschinn.

Was heißt hier am Hals haben? Der Dschinn rastete fast aus, seine Stimme wurde schrill und überschlug sich. Es sah so aus als wollte er vom Brett springen, aber anscheinend stimmte es, dass er da nicht weg konnte.

Von wegen am Hals haben! Was glaubst du, wieviel Köche einen eigenen Dschinn in ihrer Küche sitzen haben? Das ist eine Ehre, die nur wenigen zu Teil wird. Und glaubst du vielleicht für mich ist es leicht und der Traum meiner Träume hier mit dir in dieser heißen Küche zu sitzen?

Ja, du scheinst einen riesigen Spaß zu haben.

Der Dschinn begann wieder mit seinem fürchterlichen Lachen, dass das ganze Brett, auf dem er saß, fibrierte. Ich konnte die Weinflasche gerade noch festhalten, bevor sie herunterfiel.

Das stimmt allerdings. Ist schon gut hier, und du scheinst ja ein netter Kerl zu sein, prustete er.

Ein netter Kerl! Auch das noch. Womit hatte ich das verdient?

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